08.12.2013

gedichtung // KAPITEL 245

© Nikola Helmreich

KAPITEL 245
Ich lese die Geschichten der Vergangenheit
die mir vom Scheitern erzählen
während ich im Jetzt bei dir sitze
das mich an Liebe glauben lässt

Und von der Zukunft träume
die doch nur ein Kapitel wird
das ich lesen werde
während ich im nächsten Jetzt

bei jemand andrem sitze.

04.08.2013

hirnakrobatismus // WENN ES DUNKEL WIRD

© Nikola Helmreich















WENN ES DUNKEL WIRD
Getroffen. Umarmt.
Du bist nah an meinem Hals gefangen; zurückversetzt; verliebt.

Schnitt.

Wir verlieren uns in Geschwindigkeit und finden einander nicht mehr.
Spät in der Nacht rufe ich an. Falsche Nummer. Dein Freund nimmt ab: "Schön, dass es euch gut geht. Das Meer war eine gute Idee“, sagt er. 
Das Meer? "Ja, man muss sich um die Kinder doch kümmern.“

Schnitt.

Sooner or later it will all come crashing down.

03.05.2013

gedichtung // ICH SAMMLE NICHTS

© Nikola Helmreich
















ICH SAMMLE NICHTS
Überwinden relativiert
die Dinge, die gewesen
und lässt stehen
eine Hand voll nichts.

19.02.2013

gedichtung // ORIENTIERUNGSLOS

© Nikola Helmreich






























ORIENTIERUNGSLOS
Ich habe die ganze Nacht geschlafen
Obwohl die Sonne schien 

12.02.2013

07.01.2013

gedichtung // BLENDER

© Nikola Helmreich


















BLENDER
Wenn uns was eint
dann sind es
nur Worte
wie auch immer gemeint

19.12.2012

gedichtung // SYSTEMTHEORIE

© Nikola Helmreich






















SYSTEMTHEORIE
Sie schreibt:
"Schwierige Sache“
und meint
"Du fehlst mir.“ 

Er schreibt: 
"Mehr als anrufen kann ich nicht“ 
und meint 
"Mehr als anrufen kann ich nicht." 

Schwierige Sache.
 

04.12.2012

hirnakrobatismus // DIE BEIDEN

© Nikola Helmreich
























DIE BEIDEN
Sein Blick gehört der Straße. Er droht ihr. Bricht durch den Regen, entschlossen, mit dem Wagen durch die Wand zu fahren.
Die Scheibenwischer profilieren sich.
Ihr Blick folgt der Bewegung. 
Die Kraft tritt aus den Augen, willens, das Metrum zu stoppen.
Seine Hände zittern. Ihre Augen schmerzen.
Der Wagen hält. Sein Todesmut schwindet, ihr Schmerz lässt nach.

Da sitzen sie. Hinter ihnen eine verlassene Kirche und ein Strommast nach dem anderen. Vorne führen sie ins Nichts. Rechts der Wald, kein Weg zurück.
Links geht die Welt auf.

Mitten auf dem Feld steht er. Wartet. Sie muss nur ankommen. Loslaufen und ankommen. Also rennt sie. Aus dem Regen in die Sonne, den Wald im Rücken, bis zu dem Moment, wo er verschwindet.
„Wo bist du?“ schreit sie gegen Wind und Licht. Er tippt ihr auf die Schulter. Das Herz entkrampft sich, der Blick geht zu Boden. Ein Kuss in den Nacken und sie ist wieder da.
Ihr Blick reißt sich zusammen, richtet sich auf. Seine Hand unter ihrem Kinn tut den Rest. Sie sieht ihn an. Ein Blick der alles sagen will aber kein Wort kommen mag.

Weg ist er. Sie dreht sich und sieht nichts.
Eine Tänzerin im Schatten des Waldes auf matschigem Boden.
Kein Glanz, kein Halt. Die Drehungen haben alles zu Boden geworfen. Die Drehrichtung ändern hilft nicht mehr. „Beeil dich“, hört sie ihn rufen und rennt – den Hügel hinauf, in die Wasserwand. „Ich kann nicht mehr“, brüllt sie gegen die Wand und zerbricht. „Was ist denn“, fragt er und nimmt ihre Hand, will sich mit ihr teilen. Es kommt nichts an.
„Ich will nach hause!“
„Dann geh.“

24.11.2012

gedichtung // WEISE SICHT WEISE

© Nikola Helmreich





























WEISE SICHT WEISE
Erkennst du dich
In meinen Zeilen
Du bist es nicht
den sie beschreiben

12.11.2012

gedichtung // DOCH SIE STEHT

© Nikola Helmreich






























DOCH SIE STEHT
Der längste Tag des Jahres
Ist heute, war gestern
Und wird morgen sein.

27.10.2012

gedichtung // ERKENNTNIS

© Nikola Helmreich


























ERKENNTNIS
Die Helligkeit frisst 
ein Loch ins Fenster
und lässt mich doch 
nicht raus.
Vielleicht sollte man
ein Fenster in die 
Türen bauen?

26.09.2012

gedichtung // NUR EIN STEIN

© Nikola Helmreich



























NUR EIN STEIN
Dass du nur ein stein am kiesstrand bist
Die welle kommen wird
Und alles nimmt was an dir liegt
Weil du nur ein stein am kiesstrand bist

17.06.2012

gedichtung // FREMD WORT


 

















FREMD WORT
Weit weg von dem
Was war und wird
Steht frei das Wort
In Sinn und Sein

Nah dran an dem
Was ist und bleibt
Steht es nun schwer
In Zelle und Zeit 

Mittendrin stehst du
Mit der Bedeutung 
In deinen Händen
Falsch im Raum

08.06.2012

gedichtung // ICH WILL NICHT

© Lorenz Goldstein (nach einer Fotografie von Nikola Helmreich)















ICH WILL NICHT
Ich will nicht aufstehen,
weil der Traum mich in deine Arme gießt

Ich will nicht wach sein,
weil das Licht dein Gesicht zerschießt

Ich will nicht raus gehen,
weil der Lärm deine Stimme frisst

Ich will nicht sprechen,
weil die Stille deine Antwort ist

Ich will nicht hier sein,
weil die Welt deinen Atem nimmt

Ich will nicht,
doch ich habe zugestimmt.

08.05.2012

gedichtung // LASS MICH GEHEN

© Installation von S.W.


























LASS MICH GEHEN
Lass mich gehen
ins Dunkel
der Zukunft

Und wenn du kannst
sei das Licht
am Ende 

02.05.2012

gedichtung // EINMAL

© Nikola Helmreich

















EINMAL
Wir glaubten immer
keine Klischees
zu bedienen den Traum

Wir wussten immer
der Weg
gehört uns die Zukunft

Wir sahen immer
das Glück
in uns wachsen die Kräfte

Wir vergaßen nur
den Moment
zu lieben uns.
 

14.11.2011

gedichtung trifft filmung _ ilse schneider // cor-magazine.com


WORTE // LYRIK // INSZENIERUNG

Die Kraft der Worte

Ein Sonntag in Hamburg. Viele Worte, viele Menschen.
Und die Frage: Wie macht man Lyrik zugänglich?

Hier trifft ilse schneiders INNENWELT auf die AUßENWELT – und wirkt.


WORTE//LYRIK//INSZENIERUNG from cor-magazine.com on Vimeo.

Den Text zum Tag und Projekt, sowie alle Fotos findet ihr hier.

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Onlinemagazin cor-magazine von Annika-Sophie Butt, der Fotografin Nikola Helmreich und ilse schneider.

08.11.2011

gedichtung // POSERIE

© Nick Knight, 1997





























POSERIE

Du bist zu kool für Poesie
Sagst du scheißt auf andrer Leute Meinung
Fühlst dich wohler in der Poserie
Dem Œvre deiner Trivialerscheinung.

Heute bin ich was du brauchst
Ist das Credo deines ganzen
Seins. Such dir die Fassade aus
Schreist du in die Fressen aller Wanzen

Die gierig sich die Mäuler lecken
Weil nach Hirntod nur noch Sabber rinnt
Für dich füllt sich jetzt das Propagandabecken
Und das Netz der Vitamine spinnt

Weiter deine Wege.

Bis irgendwann – ich glaube dran – 
Die schillernde Fassade
Zerbröckelt fällt auf eine Bahre
Und dein echtes ICH der Veteran

Bleibt zum Beschuss.

Und schießen wird, so glaub es mir
Nur jener Künstler mit Plaisir
Der glücklich ist
Weil sein Erbautes noch den alten Umfang misst.


03.11.2011

gedichtung // ANDERWSO

© Nikola Helmreich













ANDERSWO
Wenn es auf mich fällt
von allen Seiten näher kommt
Mache ich mich 
klein
Für meine Seele

Wenn es mich greift

würgen will und wird
Opfert sich mein 
Ich
Für meine Seel

Wenn es dunkel wächst

mir nur den Schatten lässt
Suche ich das 
Licht
Für meine Seele

Woanders.